Leopold Grausam

Bildhauer und Steinmetzmeister

* 1946   † 2010

Der Stein ist kein totes Material, sondern eine lebendige Kraft, die wie Menschen und Orte eine unverwechselbare Ausstrahlung haben.

Lebenslauf

Leopold Grausam wurde am 7. Mai 1946 in Wien geboren. Er war der Sohn eines Februarkämpfers, der seit 1934 vom austrofaschistischen Regime verfolgt worden war.
Durch die Vergangenheit seines Vaters entstand später seine enge Verbindung zu den sozialdemokratischen Freiheitskämpfern.

Im Alter von drei Jahren bekam er von seinen Eltern an Weihnachten ein künstlerisch gestaltetes Marionettentheater geschenkt. Ein Jahr darauf folgte das Geschenk eines Handpuppentheaters, das dem kleinen Leopold noch besser gefiel als das Marionettentheater. Bald trat er als Kinderdarsteller an Berufstheatern auf. Seine lebenslange Liebe zum Puppentheater und zum Schauspiel hat ihren Ursprung in diesem frühen Kontakt mit diesen Metiers.

Nach der Pflichtschule absolvierte Leopold Grausam eine Lehre zum Steinmetz und war während seiner Wanderjahre in verschiedenen Steinmetzbetrieben in ganz Österreich tätig. Schließlich kehrte er nach Wien zurück und arbeitete über Jahrzehnte als technischer Leiter der Steinmetzwerkstätte der Stadt Wien. Zudem wirkte er als Bildhauer und Maler.

Im Jahre 1972 heiratete Leopold Grausam seine Frau Christa. Es folgte der Umzug nach Deutsch-Wagram, wo 1973 der Sohn Leo geboren wurde.

Vielseitiger Künstler und Schauspieler

Leopold Grausam zeichnete sich durch seine Vielfältigkeit und seine Begabungen aus, die er auf verschiedenste Weise zum Ausdruck brachte. Bemerkenswert in diesem Sinne sind seine schauspielerischen Einsätze in zahlreichen Theatern in Wien, Baden, Hamburg und Berlin, wo er in den Jahren 1964 bis 1970 auch in Operetten und Singspielen auftrat. Er ließ sich auch zum Stegreifspieler durch Burgschauspieler Dr. Tassilo Holik ausbilden. In diesen Jahren schrieb er auch sein erstes Theaterstück “Hexenbrut” und veröffentlichte erste Kurgeschichten.

In seiner neuen Heimat Deutsch-Wagram belebte er das Kulturleben und schuf mehrere Kunstwerke im öffentlichen Raum, wie etwa die Wandmalerei des Heiligen Florian am alten Feuerwehrturm, der heutigen Ortsstelle des Roten Kreuzes, das Eisenbahndenkmal neben dem Bahnhof, mehrere Wandmalereien an Kindergärten und verschiedene Exponate für das Heimatmuseum. Die von seinem Vater ins Leben gerufene Marionettenbühne vernachlässigte er jedoch nie.

Gestalter von Denkmälern als Ausdruck des Kampfes gegen den Faschismus

Der Kampf gegen den Faschismus drückte sich bei Leopold Grausam sehr stark durch seine Gestaltung von Denkmälern aus. Zahlreiche Mahnmale, Gedenksteine und Erinnerungszeichen zum Gedenken an den Kampf gegen den Austrofaschismus und Nationalsozialismus sowie an die Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden von ihm geschaffen. Auch eine große Zahl von Gedenktafeln in den Wiener Bezirken sind aus seinem Œuvre nicht wegzudenken. Wichtig war ihm die Zusammenarbeit mit Rosa Jochmann, Josef Hindels, Herbert Exenberger und anderen vom Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschisten.

Hervorzuheben sind das Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft auf dem Morzinplatz in Wien-Innere Stadt, die Denkmäler für die Februarkämpfer und für die Spanienkämpfer auf dem Wiener Zentralfriedhof in Wien-Simmering, die Gedenkstätten für die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund und für die im Wiener Landesgericht und auf dem Schießplatz Kagran ermordeten Frauen und Männer des Widerstandes auf der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofs, sowie die Grabdenkmäler für Rosa Jochmann und Josef Hindels.

Leopold Grausam versah die von ihm geschaffenen Arbeiten in der Tradition des Steinmetzhandwerks mit seiner Signatur und seinem persönlichen Steinmetzzeichen.

Bühnenbildner, Buchillustrator, sein letztes großes Werk

Leopold Grausam zeichnete auch für viele Bühnenbilder verantwortlich und betätigte sich als Buchillustrator. Von 1998 bis 1999 war er Ausführender des “Park der Ruhe und Kraft” am Wiener Zentralfriedhof (nahe Tor 3). Sein letztes großes Werk ist das Mahnmal für die Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus am Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 40, das im Jahre 2005 enthüllt worden ist.

Ehrung

2006 wurde Leopold Grausam für sein Lebenswerk vom Landesverband Wien des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschisten mit der Otto-Bauer-Plakette ausgezeichnet.

Bildhauer- und Steinmetzarbeiten

  • 2005: Denkmal für die hingerichteten Widerstandskämpfer in Wien-Simmering, Zentralfriedhof, Gruppe 40
  • 2003: Mahnmal für die zerstörte Simmeringer Synagoge in Wien-Simmering, Kreuzung Braunhubergasse/Hugogasse
  • 2002: Gedenkstätte für die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund in Wien-Simmering, Zentralfriedhof, Gruppe 40
  • 2000: Jazzskulptur im Bill-Grah-Park in Wien-Essling
  • 1998–1999: Ausführung der Anlage Park der Ruhe und Kraft (Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 23)
  • 1995: Gedenkstele für Bruno Kreisky im Bruno-Kreisky-Hof in Wien-Hernals
  • 1995: Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Wien-Penzing, Baumgartner Friedhof
  • 1994: Grabstein und Gedenkplatte für Rosa Jochmann in Wien-Simmering, Zentralfriedhof
  • 1990: Grabstein für Josef Hindels in Wien-Simmering, Zentralfriedhof
  • 1988: Denkmal für die österreichischen Spanienkämpfer in Wien-Simmering, Zentralfriedhof
  • 1988: Denkmal für Opfer des Nationalsozialismus in Linz, Alt-Urfahr
  • 1987: Denkmal 150 Jahre Eisenbahn mit einer Darstellung der Dampflokomotive “AUSTRIA” neben dem Aufnahmsgebäude des Bahnhofs in Deutsch-Wagram
  • 1985: Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Wien-Innere Stadt, Morzinplatz
  • 1984: Gedenkstein für erschossene Freiheitskämpfer im Donaupark, Wien 22
  • 1984: Schutzbunddenkmal für die Februarkämpfer in Wien-Simmering, Zentralfriedhof
  • 1984: Ehrengrab für den Drehbuchautor, Filmregisseur und Schauspieler Kurt Nachmann
  • 1982: Denkmal für die Opfer des Bombenkrieges 1944–1945 in Wien-Simmering, Zentralfriedhof
  • 1980: Ehrengrab für den Fußballer Ernst Ocwirk

Tod, Weiterführung seiner Marionettentheatertradition durch seine Frau und seinen Sohn

Bereits 1993 hatte Leopold Grausam einen Schlaganfall erlitten. Er starb am 16. August 2010 in Deutsch-Wagram. Seine Frau und sein Sohn führen nunmehr seine Marionettentheatertradition weiter.

Radio-Interview mit Leo Grausam, dem Sohn von Leopold Grausam

In einem fünfteiligen ausführlichen Radio-Interview spricht der Sohn von Leopold Grausam auch über den Lebensweg seines Vaters, das Aufwachsen mit dem Puppentheater und den Tod des Vaters.

Oral History Interview mit Leo Grausam - 1.Teil

Weblinks und Quellen

Wir erinnern uns

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